Beitrag von Titus Bahner, veröffentlicht in Forschungsring für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise e.V. / Universität Kassel-Witzenhausen, Fachbereich Landwirtschaft (Hrsg.): Biologisch-dynamische Landwirtschaft in der Forschung. Darmstadt 2001, S. 135-153.
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Die hergebrachte landwirtschaftliche Betriebslehre geht aus vom Erwerbsprinzip (Gewinnmaximierung) und gestaltet den landwirtschaftlichen Betrieb vorwiegend in Anpassung an seine ökonomische Umgebung, in die er als Mengenanpasser eingebettet ist. Die Ökonomie biologisch-dynamischen Wirtschaftens befaßt sich dagegen, ausgehend vom zielsetzenden Landwirt als Zentrum, mit der Verwirklichung des zentralen Anliegens der „landwirtschaftlichen Individualität“ in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld.
Ein erster Schritt hierzu ist die Modifikation der monetären betriebswirtschaftlichen Bewertungsansätze durch das jeweils angestrebte Leitbild der Betriebsgestaltung, das im Sinne des Rationalprinzipis (Nutzenmaximierung) die monetären Preisrelationen zu Nutzwertrelationen weiterentwickelt.
Konstitutiv für den biologisch-dynamischen Betrieb sind jedoch auch gesellschaftliche Leistungen („Gemeinnützigkeit“), die von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und dem Staat wertgeschätzt werden. Um eine Unterstützung zur Erzeugung dieser Leistungen zu erhalten, muss sich der biologisch-dynamische Landwirt als „politischer Unternehmer“ darum bemühen, seinen Betrieb über Kooperationen und Verhandlungen in sein gesellschaftliches Umfeld einzubinden. Unterstützung in dieser Aufgabe liefert die moderne Managementlehre im nichtlandwirtschaftlichen Bereich, die auf die besondere Situation des biologisch-dynamischen Landbaus abzustimmen ist. Entsprechende Managementwerkzeuge und Gestaltungsansätze bleiben noch zu entwickeln.