Studie von Titus Bahner und Eike Burandt, März 1997
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Anders als im herkömmlichen Naturschutz, der ökologisch wertvolle Flächen als einzelne zu erhalten versucht, steht im biologisch-dynamischen Landbau der Organismus-Gedanke im Vordergrund. Er ist dazu prädestiniert, auch die "unfruchtbaren" Standorte in ihrer besonderen Eigenart anzuerkennen und in die eigentliche Landwirtschaft einzubeziehen. Wir besuchten sieben biologisch-dynamische Betriebe und einen konventionellen Betrieb zwischen Holland und Schleswig-Holstein, dokumentierten seltene Pflanzen und Tiere auf ökologisch wertvollen nassen Wiesen und Weiden und fragten die Bauern nach ihren Beobachtungen und Gedanken und auch nach ihren Problemen mit diesen Flächen. Wir hofften damit, einem Verständnis der besonderen Qualitäten ökologisch wertvoller Magerstandorte im Zusammenhang eines biologisch-dynamischen landwirtschaftlichen Organismus auf die Spur zu kommen.
Wir begegneten auf den Höfen einer herzlichen Gastfreundschaft und einem großen Interesse an unserer Frage. Die Naturschutzproblematik scheint gerade im biologisch-dynamischen Bereich als berechtigtes Anliegen verstanden zu werden. Allerdings will man seltenen Pflanzen, Tieren und Lebensgemeinschaften im landwirtschaftlichen Zusammenhang ihren Platz geben, statt sie in Reservaten vor dem Menschen zu schützen. Das macht auch Sinn, denn die meisten aussterbenden Arten sind heute auf extensiv bewirtschaftete landwirtschaftlich Fächen angewiesen.
Zu dem erhofften Verständnis der besonderen Qualitäten, die magere Standorte in den Betrieb einbringen können (etwa durch die feine Anpassung ihres Pflanzenbestandes an Bodeneigenschaften und Kleinklima), konnte uns jedoch niemand etwas Einfaches erzählen. Manche Höfe kamen gut klar und lieferten Anhaltspunkte für besondere Qualitäten, die durch die mageren Flächen in den Betrieb einbezogen werden können. Andere hatten ihre Schwierigkeiten mit den borstigen Flächen und gaben uns mehr Fragen als Antworten mit auf den Weg. Im Ergebnis scheint es uns wichtig, unter interessierten Landwirten eine stärkere Kenntnis nasser und trockener Magerstandorte zu ermöglichen. Auch den Begriff "Kulturlandschaft" (meist noch mit "ertragreicher Landschaft" gleichgesetzt) sollten man im biologisch-dynamischen Landbau neu bedenken. Der Naturschutz sollte angesichts der Aufgeschlossenheit ökologischer Landwirte seine überkommenen behördlichen Strategien überdenken und mehr auf Kooperation setzen. Was der biologisch-dynamische Landbau bereits für Naturschutz und Weiterentwicklung der Natur leistet, könnte im Bezug auf magere, ökologisch wertvolle Standorte noch weiter entwickelt werden. Dies könnte auch den Höfen in landbaulicher, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht etwas bringen.